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Pflegefamilien für Kinder mit Behinderung

Der LWL ist für Leistungen der Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche mit Behinderung in Pflegefamilien zuständig. Ausgenommen sind Kinder mit seelischer Behinderung gem. §35a Kinder- und Jugendhilfegesetz.

Auf dieser Seite haben wir die wesentlichen Informationen für Pflegeeltern und interessierte Personen aufbereitet.

Ein Kind malt mit Fingerfarbe.

Für welche Pflegekinder wird der LWL zuständig?

  • Der LWL wird für Kinder und Jugendliche mit einer geistigen, körperlichen oder Sinnesbeeinträchtigung in Pflegefamilien zuständig. Diese Zuständigkeit übernimmt der LWL von den Sozialämtern der Kreise und kreisfreien Städte.
     
  • Für Pflegekinder mit einer seelischen Behinderung bleibt weiterhin die Jugendhilfe, d.h. das örtliche Jugendamt, zuständig. Diese unterschiedlichen Zuständigkeiten sind im Bundesrecht (§ 10 SGB VIII) geregelt und haben ihren Grund darin, dass die Hilfen bei seelischen Behinderungen sich praktisch wenig von den Hilfen bei einem erzieherischen Bedarf in der Familie unterscheiden.
     
  • Manche Städte und Kreise haben entschieden, dass die Hilfen für Pflegekinder mit körperlicher bzw. geistiger Behinderung nicht vom Sozialamt, sondern vom Jugendamt geleistet werden. Rechtlich gesehen handelt es sich dabei aber um Leistungen der Eingliederungshilfe (auch wenn diese eventuell als Jugendhilfe/SGB VIII-Aufgabe bezeichnet wurden). Auch für diese Pflegekinder ist der LWL ab dem 01.01.2020 zuständig.
     
  • Der LWL wird örtlich zuständig für die Pflegekinder, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt vor der Aufnahme in ihre Pflegefamilie in Westfalen-Lippe hatten bzw. vor Beginn der ersten stationären Unterbringung, wenn diese nicht länger als 6 Monate ununterbrochen geleistet wurde. Der gewöhnliche Aufenthalt ist in aller Regel dort, wo die Kinder mit ihren leiblichen Eltern vorher gewohnt haben.

Wer führt die Hilfeplangespräche durch?

Das übernimmt der LWL. Wir sind, wie bisher die Kreise und Städte dazu rechtlich verpflichtet.

Wir beabsichtigen, diese Hilfeplanungen mindestens einmal jährlich durchzuführen.

Diese Gespräche finden selbstverständlich vor Ort bei Ihnen bzw. an einem Ort, der für Sie gut erreichbar ist, statt.

Die Gesprächstermine werden wir rechtzeitig vorher mit Ihnen vereinbaren.

Wir überprüfen gemeinsam mit Ihnen, ob die Hilfe wirksam und noch bedarfsgerecht ist. Sollte dies nicht der Fall sein, kommen möglicherweise auch zusätzliche oder andere Leistungen in Betracht.

Von wem erhalten Sie praktische Begleitung und Beratung?

Wir wissen, dass Pflegeeltern in manchen Situationen Beratung brauchen, etwa in Fragen des Umgangs mit der Behinderung, in pädagogischen Fragen, manchmal auch in Krisensituationen.

Sie erhalten diese Unterstützungsleistungen (wie bisher) durch einen freien Träger Ihrer Wahl. Wir gehen davon aus, dass Sie mit dem Träger, der Sie bisher unterstützt hat, zufrieden sind. Dann soll sich daran auch nichts ändern.

Falls dies ausnahmsweise anders sein sollte, rufen Sie uns bitte an.

Wenn Sie diese Unterstützung bisher direkt von einem Pflegekinderdienst eines Jugend- oder Sozialamtes erhalten haben:

Wir haben diesen Sozial-/Jugendämtern angeboten, dies auch in Zukunft so fortzusetzen. Falls sich ein Jugend-/Sozialamt dagegen entscheiden sollte, werden wir Ihnen die laufende Unterstützung durch einen freien Träger ihrer Wahl anbieten.

Eventuell wird Ihnen auch schon jetzt das Jugend- oder Sozialamt einen freien Träger vorschlagen.

Welche Leistungen erhalten Sie ab 01.01.2020?

Sie erhalten die gleichen Leistungen, die Sie bisher vom örtlichen Sozial- oder Jugendamt auf der Grundlage eines Bescheids oder einer Vereinbarung erhalten haben.

Da die von den örtlichen Sozialämtern bisher bewilligten Leistungen sich sehr unterscheiden, wollen wir diese künftig landeseinheitlich gestalten. Für bereits heute betreute Pflegekinder gilt aber Bestandsschutz.

Wir versprechen ihnen also, dass wir Sie nicht schlechter stellen werden.

Von wem erhalten Sie die Ihnen zustehenden finanziellen Leistungen?

Im Juli 2019 haben wir Sie über die Sozialämter angeschrieben und Sie darüber informiert, dass Sie Ihre finanziellen Leistungen künftig vom LWL erhalten. In dem Zusammenhang hatten wir Sie um die Übermittlung Ihrer Bankverbindung gebeten.

Leider hat sich herausgestellt, dass das so nicht umsetzbar ist. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

Inzwischen ist geklärt, dass Sie, wenn Sie aktuell von einem freien Träger Ihre finanziellen Leistungen erhalten, diese auch künftig über ihn erhalten werden.

Der LWL wird die Auszahlung von Leistungen an Sie nur dort übernehmen, wo die Leistungen bislang vom örtlichen Sozialamt oder Jugendamt direkt an Sie gezahlt wurden.

Was ist zu tun, wenn Ihr Pflegekind weitere Leistungen benötigt?

Der LWL ist insgesamt für die Leistungen zuständig, die in der Pflegefamilie erforderlich sind. Dazu gehören etwa auch die laufenden oder die einmaligen Beihilfen.

Wenn allerdings weitere Leistungen der Eingliederungshilfe außerhalb der Pflegefamilien erforderlich sind, ist dafür der örtliche Träger der Eingliederungshilfe, das heißt die Kreise und kreisfreien Städte, zuständig. Das klingt auf den ersten Eindruck sicher ungewöhnlich, lässt sich aber am Beispiel von Schulintegrationshelfern verdeutlichen: Für die Planung und Umsetzung von Schulintegrationshilfen kommt es nicht darauf an, ob es sich um Pflegekinder handelt oder um junge Menschen mit Behinderung, die bei ihren leiblichen Eltern wohnen.

Sie brauchen allerdings keinen zweiten Antrag beim örtlichen Sozialamt stellen. Im Rahmen der mindestens einmal jährlichen Hilfeplanung werden auch diese weitergehenden Hilfen geplant und die örtlichen Ämter nötigenfalls durch den LWL in die Hilfeplanung einbezogen.

Das gilt übrigens auch für Leistungen von anderen Sozialleistungsträgern, wie etwa der Krankenkasse oder der Arbeitsagentur (bei älteren Pflegekindern in Ausbildung oder Beruf).

Wie wird mit Besuchskontakten zur Herkunftsfamilie umgegangen?

Sofern Besuchskontakte zur Herkunftsfamilie vorgesehen sind, werden diese in Hilfeplangesprächen thematisiert und deren Organisation besprochen. Der Sie beratende Pflegekinderdienst unterstützt Sie hierbei.

Was ist, wenn die Pflegeeltern nahe Verwandte des Pflegekindes sind?

Das macht für uns keinen Unterschied. Sie erhalten auch in diesen Fällen die gleichen Leistungen wie Pflegeeltern, die mit dem Pflegekind nicht verwandt sind.

Was passiert, wenn Pflegekinder volljährig werden?

Der LWL ist ebenfalls zuständig für „volljährige Pflegekinder“.
Für die Pflegekinder mit einer geistigen bzw. körperlichen Behinderung, für die der LWL ab dem 01.01.2020 zuständig wird, werden die Leistungen dann vom LWL-Jugenddezernat an das LWL-Inklusionsamt Soziale Teilhabe übergeben, das für Eingliederungshilfen für erwachsene Menschen mit Behinderungen verantwortlich ist. Wir werden rechtzeitig den Übergang vorbereiten und für eine gute Übergabe Sorge tragen.
Anders als bisher kommt es nicht in allen Fällen auf die Vollendung des 18. Lebensjahres an. Wenn sich ein junger Mensch zu diesem Zeitpunkt noch in der ersten Schulausbildung befindet, wechselt die Zuständigkeit erst mit dem Abschluss dieser Schulausbildung.

Verfahrensfragen zur Umsetzung des BTHG und des AG BTHG

Ab wann werden die Fälle übernommen und wann wechselt die Zuständigkeit?

Die Zuständigkeit des LWL für Leistungen an Pflegefamilien in der Eingliederungshilfe wurde bereits mit dem Inklusionsstärkungsgesetz NRW zum 01.07.2016 begründet und zunächst bis zum 31.12.2019 an die örtlichen Sozialhilfeträger delegiert. Diese Heranziehung soll nun aufgehoben werden und der LWL übernimmt diesen Aufgabenbereich zum 01.01.2020. Die Pflegeverhältnisse werden vom LWL zu bestehenden Konditionen weitergeführt. Die Zuständigkeit umfasst alle Bestandsfälle bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres, sowie Neufälle ab 2020 bis maximal zum Ende der Schulausbildung.

Wer macht die Hilfeplanung zukünftig?

Die Hilfeplanung wird ab dem 01.01.2020 durch Hilfeplaner des LWL durchgeführt.

Gibt es ab dem 01.01.2020 eine Übersicht über die Zuständigkeiten und LWL Ansprechpartner (Hilfeplaner/Fallmanager)?

Die Zuständigkeiten werden aktuell intern abgestimmt. Es wird spätestens zum 01.01.2020 eine Übersicht über die jeweils regional zuständigen Hilfeplaner und Fallmanager geben. Bei Fragen steht eine Hotline zur Verfügung:

0251 591 5010 (Pflegefamilien/Tag & Nacht)
0251 591 5020 (Frühförderung, KiTa)

Sobald die Zuständigkeiten geklärt sind finden Sie die jeweils aktuelle Auflistung unter http://www.soziale-teilhabe-kiju.lwl.org

Wer ist zuständig für die Annexleistungen?

Die örtlichen Sozialhilfeträger sind laut aktueller Auslegung zuständig für Annexleistungen nach SGB IX bei gleichzeitiger Betreuung über Tag und Nacht (bisher stat. Unterbringung) sowie in Pflegefamilien. Mögliche Annexleistungen nach SGB IX können sein:

  • Assistenzleistungen (z.B. Integrationshelfer)
  • Leistungen zur Förderung der Verständigung
  • Leistungen zur Mobilität
  • Hilfsmittel

Die Zuständigkeit für Annexleistungen nach SGB XII liegt beim LWL.
Mögliche Annexleistungen können hier folgende sein:

  • Hilfe bei Krankheit
  • Hilfe zur Pflege
  • Hilfe in anderen Lebenslagen

In welchem Turnus sollen Hilfeplangespräche angesetzt werden? Sollen Hilfepläne bis 31.12.2019 befristet werden?

Es ist geplant, dass jährlich eine Gesamtplanung bzw. eine Fortschreibung der Gesamtplanung durch die Hilfeplaner des LWL durchgeführt wird. Wir werden uns am Datum des vorangegangenen Hilfeplangesprächs orientieren, daher befristen Sie bitte die Hilfepläne nicht bis 31.12.2019.

Kommt es ab dem Jahr 2020 zu einer Trennung der fachlichen und existenzsichernden Leistungen bei jungen Volljährigen, die in Jugendhilfe-Einrichtungen leben, aber über die Eingliederungshilfe finanziert werden?

Bei jungen Volljährigen, die in einer besonderen Wohnform leben, findet bis Abschluss der ersten Schulausbildung keine Trennung von existenzsichernden und fachlichen Leistungen statt.

Fragen zur Leistung "Pflegefamilien für Kinder mit Behinderung"

Wer übernimmt zukünftig die fachliche Betreuung und Beratung der Pflegefamilie?

Mögliche Konstellationen sind:

1. Die Familie wird bereits von einem freien Träger beraten

► keine Veränderung
 

2. Die Familie wird vom Pflegekinderdienst eines Jugendamts beraten und dieser entscheidet sich, die Beratung weiterzuführen

► keine Veränderung
 

3. Die Familie wird vom Pflegekinderdienst eines Jugendamts beraten und dieser entscheidet sich, die Beratung nicht weiterzuführen

► In diesem Fall ist der aktuell noch betreuende Pflegekinderdienst angehalten, gemeinsam mit der Pflegefamilie einen freien Träger für die zukünftige Betreuung zu suchen

Wer zahlt die Leistungen an die Pflegefamilie aus?

Das „Pflegegeld“ wird über die freien Träger an die Pflegefamilien ausgezahlt, sofern diese bereits jetzt die Gelder auszahlen. In dem Fall gibt es keine Änderung.

Pflegefamilien, die bisher die Zahlungen vom Sozialamt erhalten haben, bekommen ihr „Pflegegeld“ ab 01.01.2020 direkt vom LWL.

Wie geht der LWL mit dem Thema einmalige Beihilfen um? Bisher hat jede Kommune dazu eigene Richtlinien.

Mit dem LVR wird ein Beihilfenkatalog erarbeitet, in dem die Eckpunkte geregelt sind und bestimmte Beihilfen pauschalisiert werden. Für laufende Fälle gilt Bestandsschutz.

Wie wird die Zuständigkeit für die Pflegefamilien innerhalb des Referats „Soziale Teilhabe für Kinder und Jugendliche“ aufgeteilt?

Anhand des Wohnorts der Pflegefamilie wird es eine regionale Zuordnung der Hilfeplaner und Fallmanager geben. Die Personenzuordnung wird bis Ende des Jahres unter http://www.soziale-teilhabe-kiju.lwl.org veröffentlicht.

Wie erkenne ich welche Träger an das System angeschlossen sind?

Die Liste mit den Kooperationspartnern wird bis Jahresende unter http://www.soziale-teilhabe-kiju.lwl.org bereitgestellt.

Übersicht über den Verfahrensablauf zu Auswahl und Überprüfung der Pflegefamilie:

Dem freien Träger obliegt die Werbung, Akquise & Schulung der potenziellen Pflegefamilie sowie die Vorbereitung des Pflegeverhältnisses.

Der LWL trifft in Absprache mit dem freien Träger die endgültige Entscheidung über die Eignung der Pflegefamilie.
Der LWL hat das Fallmanagement- und die Steuerung inne und führt jährlich die Gesamtplanung- und Fortschreibung durch.

Wo findet die Hilfeplanung statt? Müssen die Pflegefamilien nach Münster kommen?

In der Regel findet die Hilfeplanung im häuslichen Umfeld der Pflegefamilie statt. Unter bestimmtem Umständen kann das Gespräch auch in Räumlichkeiten des LWL in der jeweiligen Mitgliedkörperschaft stattfinden.

Wird es eine Angleichung bzgl. Verwandtenpflege geben?

Die Verwandtenpflege wird den anderen Pflegeverhältnissen gleichgestellt.

Das Pflegekind wird 18 Jahre alt, was passiert dann?

Das Pflegekind kann mindestens bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres und längstens bis zur Beendigung der ersten Schulausbildung als Pflegekind im Sinne von § 80 SGB IX in der Pfegefamilie leben. Im Anschluss erfolgt ein Übergang in das System der Gastfamilie, siehe https://www.lwl-inklusionsamt-soziale-teilhabe.de/de/gastfamilien/ 

Welche finanziellen Rahmenbedingungen gelten ab 01.01.2020 für Neufälle?

Die Leistungssätze für Neufälle sind noch nicht festgelegt.

Ist die Anbindung an einen beratenden Träger für die Pflegefamilien verpflichtend?

Gemäß Landesrahmenvereinbarung ist die Anbindung an einen freien Träger vorgesehen, Intensität und Dauer der Leistungen richten sich nach dem individuellen Bedarf.

Ist Wohnortnähe des freien Trägers Grundvoraussetzung?

Es ist notwendig, dass der beratenden und begleitetende Träger u.a. in möglichen Krisensituationen kurzfristig vor Ort sein kann. Detaillierte Bestimmungen werden im aufzubauenden Trägerverbund festgelegt.

Informationsmaterialien

Infobroschüre: Leistungen in Pflegefamilien

Mit dieser Broschüre wurden die Pflegeeltern von Kindern mit Behinderungen über die Änderungen bezogen auf Zuständigkeiten, Leistungen und Hilfeplanung informiert.

Broschüre als PDF herunterladen

Der LWL Flyer als PDF-Datei zum Download